• = Menü =

Meine Meinung zur 10in2 Diät

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht irgendjemand in seinem Freundes- und Bekanntenkreis hat, der die berühmte 10in2 Diät (erfunden vom Kabarettisten Bernhard Ludwig), bereits ausprobiert hat oder gerade erfolgreich und begeistert dabei ist. Noch nie bin ich als Ernährungsberaterin etwas so oft gefragt worden wie nach meiner Meinung zu dieser Diät, deshalb möchte ich ihr im Folgenden ein paar Worte widmen:

Das Prinzip der Diät ist sehr einfach. Einen Tag darf man essen und trinken worauf man Lust hat, am nächsten Tag, dem „0er“ darf man absolut nichts essen und nur zuckerfreie Getränke zu sich nehmen. Es wechseln sich also Esstage mit Nahrungskarenztagen ab. Der Autor verspricht einen Anti-Aging Effekt mit dem Nebeneffekt einer raschen und effektiven Gewichtsabnahme. Ich persönlich wage zu behaupten, dass eine ausgewogene gesunde Ernährung mit einer ausgeglichenen Energiebilanz, regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und eine positive Lebenseinstellung wesentlich mehr Anti-Aging Effekt hervorbringen als die krampfhafte Beschäftigung damit, jeden zweiten Tag zu hungern und darauf zu hoffen, dass der Tag schnell vorübergeht. Ist natürlich überspitzt formuliert und ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich niemanden persönlich angreifen möchte, der diese Diät durchführt und dadurch sein Wunschgewicht erreichen möchte oder schon erreicht hat. Ich möchte nur ein bisschen zum Nachdenken anregen…

...und hier ist meine Betrachtung dazu:

Gesundheitsaspekt – Nährstoffversorgung

Wenn man nur jeden zweiten Tag isst, nimmt man nur mehr die Hälfte der Nahrungsenergie zu sich wie vor der Diät, vorausgesetzt man verzehrt an den Esstagen nicht das Doppelte. Auf eine Woche bezogen ergibt sich daraus eine negative Energiebilanz, d.h. man nimmt weniger Kalorien zu sich als man verbraucht und verliert somit Körpergewicht. Das ist der Grund, weshalb auch diese Diät neben vielen anderen Diäten mit extremer Reduktion der Nahrungsaufnahme, funktioniert. Leider nimmt man dabei aber auch nur die Hälfte an Nährstoffen auf, die für die Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit wichtig sind. Die meisten Menschen schaffen es kaum, pro Tag die empfohlenen drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst zu essen. Um optimal mit allen Vitaminen, Mineralstoffen versorgt zu sein, müssten sie aber jetzt das Doppelte an diesen Lebensmitteln an einem Tag verzehren, um nicht unterversorgt zu sein. Ich denke auch, dass es auf Dauer leicht zu einer Unterversorgung an hochwertigem Eiweiß kommen kann. Eine Ernährungsumstellung mit dem Ziel einer Gewichtsabnahme und langfristigen Erhaltung des Wunschgewichts muss eine optimale Zusammenstellung der Ernährung beinhalten, die individuell auf die jeweilige Person zugeschnitten ist. Dieser Aspekt ist für mich einer der wichtigsten meiner Beratung von Übergewichtigen.

Was passiert wenn man auf Dauer viel weniger Energie zuführt als man verbraucht?

Der Körper reagiert darauf mit einer verminderten Stoffwechselaktivität und verringertem Grundumsatz, um die wichtigsten Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Ein verringerter Grundumsatz bedeutet, dass man auch in Ruhe weniger Kalorien verbrennt, d.h. ich müsste theoretisch wieder weniger essen, um eine negative Energiebilanz zu erreichen. Menschen, die schon sehr viele Diäten hinter sich haben kennen wahrscheinlich das Problem, dass sie irgendwann einfach nicht mehr abnehmen, selbst wenn sie noch so wenig essen. Das liegt an der mittlerweile gestörten Stoffwechselaktivität des Körpers. Ist das Wunschgewicht erreicht und man isst wieder „normal“, sprich jeden Tag, ist der Jojo-Effekt vorprogrammiert.

Zu beachten ist auch, dass die Gewichtsabnahme zu einem großen Teil aus dem Muskelabbau stammt, wenn man nicht darauf achtet, durch regelmäßiges Krafttraining und ausreichender Eiweißzufuhr die Muskelmasse aufzubauen bzw. zu erhalten. Je höher die Muskelmasse des Körpers desto höher ist auch der Grundumsatz, deshalb ist für mich regelmäßiges Krafttraining beim Abnehmen ein absolutes Muss.

3 mal in der Woche 40min Schnelles Gehen bei Puls 100-11…bringt das was?

Bernhard Ludwig empfiehlt in seinem Buch drei Mal pro Woche ca. 40 Minuten schnell zu gehen, weil in diesen bei dieser moderaten Bewegung üblichen Pulsbereichen das meiste Fett verbrannt wird. Das Problem daran ist jedoch, dass erst nach ca. 30 Minuten der Fettstoffwechsel voll aktiviert ist, d.h. nur in den letzten 10 Minuten verbrennt der Körper hauptsächlich Fett zur Energiegewinnung. Selbst wenn man eine Stunde schnell geht und man, sagen wir mal, 50% der Energie durch Fettverbrennung gewinnt, wird sich das auf das Körpergewicht so gut wie gar nicht auswirken, weil man in einer Stunde Gehen maximal zwischen 100 und 200 kcal verbrennt, das entspricht in etwa den Kaloriengehalt einer Banane oder einer leeren Semmel. Möchte ich also mehr Energie verbrennen, muss ich entweder mehrere Stunden mit niedriger Intensität oder eben bei höherer Intensität trainieren. Da diese generellen Empfehlungen nicht für jeden gleich gut umsetzbar sind, ist es mir in meiner Beratung wichtig, gemeinsam mit meinen Klienten geeignete Bewegungsprogramme auszuarbeiten, die 1. optimal mit Beruf und Familie vereinbar sind, 2. Kraft- und Ausdauertraining kombinieren und 3. auf die Interessen und Vorlieben der Klienten zugeschnitten sind.

Der soziale Aspekt, die Vorbildwirkung und die Gefahren

Gemeinsame Mahlzeiten gehören zur Pflege sozialer Kontakte genauso dazu wie gemeinsame Unternehmungen und DiätGespräche. Besonders innerhalb der Familie finde ich es sehr wichtig, dass man zumindest ein Mal am Tag gemeinsam am Tisch sitzt und gutes Essen genießt oder abends mal mit Freunden bei einem Glas Wein und ein paar Häppchen beisammen sitzt. Was sage ich meinen Kindern, wenn ich plötzlich jeden zweiten Tag nicht am Tisch sitze und esse oder am Tisch sitze und nur zuschaue? Möchte ich meinem Kind vermitteln, dass Essen „böse“ ist, dass man stolz sein muss, wenn man einen ganzen Tag nichts isst? Welchen Wert von Ernährung gebe ich meinem Kind damit weiter? Ist es erstrebenswert, sich damit zu rühmen einen Tag lang nur einen Apfel gegessen zu haben oder zwei Karotten und sich selbst Vorwürfe zu machen wenn man dann doch ein wenig Brot dazu isst? Dieser extremen Form der Diäten stehe ich sehr kritisch gegenüber, weil sie v.a. bei Normalgewichtigen und Jugendlichen nicht selten der Einstieg in eine Essstörung sein können.

 Wir sollten deshalb vor allem in der Familie behutsam mit dem Thema Ernährung umgehen, mit unseren Kindern gemeinsam kochen, immer wieder neue Geschmäcker entdecken und lustvoll abwechslungsreiches ausgewogenes Essen gemeinsam genießen, auch wenn all das vielleicht in einer Zeit voller Druck, Stress und Hektik nicht immer optimal umsetzbar scheint. 

Meine Aufgabe als Beraterin ist es, gemeinsam mit meinen Klienten Wege zu finden, durch eine gesunde und abwechslungsreiche Lebensweise ihr Wunschgewicht zu erreichen und dies ohne Verbote und Einschränkungen und auch langfristig zu halten, denn: Alles ist möglich, man muss es nur wollen.

 

Bildquelle: shutterstock.com

Zurück

Facebook

Besuchen Sie mich auch auf meiner Facebook - Page:

https://www.facebook.com/ernaehrungundsport.at